Freitag, 11. September 2015

workaway in Israel - zuhause am Makhtesh Ramon - Woche I

Wir haben ja gerade erst den Erfahrungsbericht von Lukas, von seinem Freiwilligendienst in Südafrika, gepostet. Dort war er 2013-2014. Im Moment ist er über workaway in Israel und bleibt dort auch noch eine Woche. Hier erfahrt ihr jetzt nach und nach, wie sein Aufenthalt war.

Hallo liebes tip und alle Abenteuerfreunde!

Ich schreibe euch heute erstmals von Israel aus und möchte von meiner ersten Woche in diesem wunderbaren Land erzählen.

Auf der Freiwilligen-Plattform www.workaway.info habe ich schon im Mai begonnen, nach einer Stelle zu suchen, wo ich in meinen Semesterferien arbeiten möchte. Ich war ja bereits im Januar unterwegs und habe in einem Hostel in Istanbul (Türkei) ausgeholfen - das hat mir schon sehr gefallen.

Wahrscheinlich war das auch mit ein Grund dafür, dass ich irgendwann hier gelandet bin: "The Green Backpackers" in Mitzpe Ramon, Negev Wüste, Israel. Das ist nämlich auch ein Hostel, aber mehr auf Wanderer und Abenteurer ausgelegt, die die Wüste erkunden wollen. Es hat mich gereizt, für einige Wochen an einen so abgelegenen Ort zu gehen, der aber doch einiges zu bieten haben soll.

Mit Lee und Yoash, meinen Gastgebern, hatte ich mich natürlich auf Skype unterhalten, bevor ich meine Flüge gebucht habe. Mein Job sollte es demnach sein, Videos zu drehen: über das Hostel, über die angebotenen Aktivitäten, von den Gästen und allem drumherum. Darin hatte ich nämlich schon Erfahrung und konnte ein bisschen Equipment mitbringen. Nebenbei sollte ich auch die Gäste ein wenig betreuen, das tat ich ja auch gerne.
Tja und genau das mache ich jetzt, seitdem ich hier bin.


Ich nehme am normalen Leben in diesem kleinen Städtchen teil und habe meine eigene Aufgabe. 
Gestern bin ich zum Beispiel mit den Innenaufnahmen vom Hostel und von der Jeeptour fertig geworden. Das Filmen an sich ist natürlich nicht sooo zeitraubend und beim Bearbeiten teile ich mir die Zeit auch sehr locker ein.

So habe ich nebenher genug Zeit, um das zu tun, was man hier hauptsächlich macht: Wandern gehen im Makhtesh Ramon! Drei Gehminuten von unserer Haustür geht es nämlich 600 Meter (!) in die Tiefe. Der Makhtesh sieht aus wie ein gigantischer Krater, er ist ca. 10 mal 45 Kilometer groß. Dort an den Klippen zu stehen ist schon wirklich beeindruckend.


Am schönsten ist es natürlich, wenn man an einer unserer Sunset-Touren teilnimmt, oder ganz früh aufsteht, um im Morgengrauen mit dem Abstieg zu beginnen. Das hat schon etwas Magisches, wie im Bilderbuch. Dabei darf man nicht vergessen, genügend Wasser, Sonnencreme und einen Hut einzupacken, sonst kann es schnell gefährlich werden.


Ansonsten ist die Negev-Wüste bei 35 – 40°C aber sehr lebensfreundlich: ab und zu begegnet man Tieren wie Ibex-Antilopen, Geiern, Hasen... es gibt sogar Leoparden! (allerdings wird die Anzahl auf nur noch 10 geschätzt und es ist sehr unwahrscheinlich, einen zu sehen) Auf den geführten Touren, die Yoash anbietet und die ich mit der Kamera begleite, erfährt man so einiges darüber, wo man sich eigentlich gerade befindet. Und der ganze Ramon-"Krater" ist ein wahnsinnig großer geologischer Prozess... aber ich will euch nicht mit Wissenschaft langweilen!

Jedenfalls geht und gefällt es mir bis jetzt richtig gut und ich bin froh, hier jeden Tag neue Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen und nebenbei immer weiter in meine neue Umgebung hineinzuwachsen. Inzwischen passiert es mir auch nicht mehr, dass ich mangels Hebräisch-Kenntnisse die völlig falschen Sachen einkaufe!
Es sind noch vier Wochen übrig und bald werde ich auch mal frei haben, um in den Norden reisen. Ihr erfahrt davon.

Mittwoch, 9. September 2015

weltwärts Südafrika Teil VI - Kulturschock rückwärts

Lukas hat einen geförderten Freiwilligendienst über weltwärts in Südafrika gemacht und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Fortsetzung von Teil V...

Was ich vorher nicht gedacht hätte: das Zurückkommen viel mir tausendmal schwerer als der Abschied von Deutschland. Zum einen war da die Tragödie im neuen Zuhause, denn ich ließ so viel zurück. Ich hatte mir ja quasi ein eigenes Leben aufgebaut mit Arbeit, Haushalt, Freunden, Hobbies, Freizeit, etc. . Der Abschied aus dem Kindergarten war sehr schlimm, die Siegerehrung der Tischtennissaison zu verpassen war nicht schön, den isiXhosa-Sprachkurs zu beenden war blöd… für all das gab es kein Return-Ticket.

Aber das war mir natürlich vorher bewusst gewesen, denn alles muss mal zu Ende gehen. Dann gab es da aber auch noch die andere Seite der Medaille: wieder in Deutschland ankommen! Zwar habe ich mich gefreut, mal wieder nach Hause zu kommen, alle wiederzusehen und die Heimat aus einer ganz anderen Perspktive wahrzunehmen – aber letzteres führte vor allem dazu, dass ich von Deutschland unglaublich genervt war. All diese unnötige Hektik, dieser pure Fokus auf Geld und Besitz, dieser Karrierezwang und keine Freiheit ohne Genehmigung. Das war mir zu viel auf einmal und ich fühlte mich in den ersten Wochen alleine unter vielen, hatte Heimweh nach Südafrika. 

Geholfen hat mir wiedermal ein Seminar, nämlich das zur Rückkehr. Hier traf ich auf einen Haufen Weggefährten und andere Freiwillige, die überall auf der Welt verteilt gewesen sind, die genauso in der Luft hingen wie ich. Eine Woche dauerte die Veranstaltung in Tübingen und es war wirklich, wirklich schön. Es gab viele Übungen und Aussprachen, Spiele und Lieder und ganz viel Raum für Gedanken und Austausch. Ich fand mich damit ab, dass mein Freiwilligendienst vorbei war und betrachtete ihn als eine Errungenschaft – NICHT für den Lebenslauf, sondern für mein neues Ich. Und ich kann ihn immer noch fortleben lassen, indem ich viele Angewohnheiten einfach beibehalten habe (das Linksfahren zum Glück nicht!), in Sachen Freiwilligendienste am Ball geblieben bin und mich engagiere. So kam ich ja auch zum tip! J

Ich bin seither viel auf Reisen und kann gar nicht oft genug für irgendwelche Abenteuer abhauen. Daher kann ich nur jedem empfehlen, der mit dem Gedanken „Auslandsjahr“ und speziell „Freiwilligendienst“ spielt: MACHT ES! Traut euch! Versucht es! Informiert euch und bewerbt euch! Es kann nie zu eurem Schaden sein. Es gibt nur wenige, die aus diversen Gründen vorzeitig abreisen – aber selbst die Mehrheit von denjenigen sagt, dass es trotzdem eine wertvolle Erfahrung gewesen sei. Einen Freiwilligendienst macht man nur einmal im Leben, also nutzt die Chance.

Zum Schluss:
Danke für’s Lesen und euch alles Gute! Vielleicht sehen wir uns ja mal draußen in der weiten Welt! ;)

Bis dann!
Lukas

Dienstag, 8. September 2015

weltwärts Südafrika Teil V - Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

Lukas hat einen geförderten Freiwilligendienst über weltwärts in Südafrika gemacht und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Fortsetzung von Teil IV...

Wenn die erste Begeisterung allmählich abflaut und der Alltag Einzug hält, beginnen oft die bereits angesprochenen „Down“-Phasen.  Das Gefühl, jeden Tag alles zu geben und doch nichts zu verändern macht sich breit. Man sieht und erfährt immer wieder schlimme Dinge: Kinder mit AIDS, Todesfälle im Umfeld, Krawalle und Gewalt, die Armut in den Townships an sich…  das machte mich zumindest oft sehr nachdenklich und führte zu sowas wie Selbsthass. Wieso hatte ich es verdient, in einer sicheren Umgebung mit allem drum und dran zu wohnen, während wenige Kilometer entfernt die Straßen brannten? Nur weil ich weiß und deutsch und männlich war? Man möchte gerne Robin Hood spielen. Doch ein Teil der Einsicht ist: wir Freiwilligen verändern in einem Jahr nicht die Welt. Aber wir arbeiten nachhaltig daran, schaffen Bewusstsein und pflanzen etwas, das vielleicht viel später mal blüht. Dass ein deutscher, weißer Mann in einem afrikanischen Kindergarten steht, Lieder auf isiXhosa trällert und dann Seifenblasen durch die Straßen pustet, ist etwas Unvorstellbares gewesen für die meisten Township-Communities. Und ich weiß jetzt, dass es in Khayelitsha-SST Town II nicht mehr so ist. Weil es dort Eltern gab, die bei meinem Abschied geweint haben. Und Kinder, die „Hoppe, hoppe, Reiter“ vielleicht auch einmal ihren Kindern beibringen werden.

Was mir auch immer ganz prima aus der Lethargie geholfen hat, waren natürlich Ferien. Es ist ja nicht so, dass ich nicht rumgekommen wäre, völlig im Gegenteil. In zwei Roadtrips habe ich mit drei Kumpels ganz Südafrika und Namibia ausführlich durchkreuzt. Zu beiden Reisen habe ich ganze zwei Tagebücher vollgeschrieben, so viel Verrücktes gab es zu erleben. Insgesamt hatten wir rund 12 Wochen frei, da lässt sich einiges anstellen. Einmal habe ich mich auch einfach in einen Bus nach Johannesburg gesetzt und Freiwillige dort besucht, die ich auf dem Vorbereitungsseminar kennengelernt hatte.

Das ist übrigens auch ein sehr starker Rückhalt, diese Gemeinschaft. Und genauso toll war deswegen auch das Zwischenseminar in der Karoo-Wüste mit den Freunden aus allen Projekten im südlichen Afrika. Die „Freunde“-Mentoren fanden da genau die richtigen Methoden, um die Motivation und die Euphorie vom Anfang wieder aufleben zu lassen, die Gemüter zu resetten. Das Seminar fand zeitgleich mit meiner „Halbzeit“ statt und war auch deswegen ein echter Meilenstein in meinem Auslandsjahr – sechs Monate war ich nun schon hier und wenn ich zurückblickte: wow, was da schon alles passiert war – das wurde dort ganz besonders reflektiert. Und es wurde umso deutlicher, was auch mit mir persönlich an jedem dieser Tage passiert war. Ich hatte mich schon jetzt verändert, durch neue Gewohnheiten, neue Herangehensweisen an Probleme - sogar meine Art zu sprechen hatte sich irgendwie verändert.

Mit diesen Impulsen ging auch die sog. Schaffensphase bei vielen los, die einen so richtig pusht. Bei Sabantwana hatten wir plötzlich richtig viel zu tun. Man wusste: jetzt sind es nur noch weitere sechs Monate; es wird Zeit, meine Spuren zu hinterlassen. Als Neuling konnte man sich ohnehin noch nicht so in die Dinge im Kindergarten einmischen, aber jetzt war es an der Zeit, den Leiterinnen mal Vorschläge zu präsentieren. In den Educares wurde jetzt also munter gestrichen, gebaut, aufgebessert, erneuert und auf Ausflüge gegangen. Auch ich war recht aktiv: eine Toilette ersetzte unsere Plastikeimer, das Dach wurde mehrfach repariert, wir fuhren einen Tag in den botanischen Garten (was ich zu einem der schönsten Erlebnisse zähle). Ein anderes Educare musste komplett abgerissen und neu aufgebaut werden – dafür haben wir einen Freiwilligen-Bautrupp zusammengestellt und losgelegt. Das war vielleicht eine Schau für die Leute im Township Samora Machel: eine Gruppe junger Deutscher hämmerte, grub und betonierte bis sie von oben bis unten dreckig und verschwitzt waren!
Zuletzt konnte ich bei mir auch noch Geld für ein Klettergerüst auftreiben – gesehen habe ich es aber nur auf Bildern, denn als es fertig war, war ich schon wieder nach Deutschland verbannt worden.


Fortsetzung folgt...

Montag, 7. September 2015

weltwärts Südafrika Teil IV - Alles neu!

Lukas hat einen geförderten Freiwilligendienst über weltwärts in Südafrika gemacht und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Fortsetzung von Teil III...

Das Gefühl, man sei gerade erst angekommen, hält bis zur Abreise durchgehend vor. Die Zeit vergeht nämlich rasend schnell: zu Anfang zählt man immer mit, wie lange man schon „durchgehalten“ hat, aber sobald der Alltag einkehrt, kann man die Kalenderblätter immer gleich stapelweise abreißen, so schnell geht das.

Das ist vor allem dem Projekt geschuldet, in dem man arbeitet – und da komme ich zum wichtigsten Teil meines Freiwilligendienstes, den ich bisher noch gar nicht beschrieben habe: das Centre for Creative Education! So hieß meine Einsatzstelle. Das CCE ist die einzige private Ausbildungsstelle für Lehrer in Südafrika und folgt dabei einigen waldorfpädagogischen Ansätzen. Es betreut und unterstützt zudem rund 40 Kindergärten und eine Grundschule in den Townships von Cape Town. 

Und genau für diese Einrichtungen waren wir Freiwillige zuständig. Das war unsere Bestimmung: Kinder betreuen und den „Educares“ zu helfen. Die Einrichtungen variierten total in ihren Größen und Ausstattungen. Der größte Kindergarten brachte bis zu 300 Kinder unter und besaß ein großzügiges Gelände, der Kleinste war mit 15 Kindern randvoll und bestand nur aus einer Hütte. Die einen Kindergärten hatten Heizungen, Toiletten und Tische, in anderen benutzte man Eimer und aß auf dem Boden. Es war für jeden von uns also eine ganz persönliche Herausforderung.

Zusätzlich zu dieser Aufgabe arbeiteten wir einmal in der Woche am CCE direkt – entweder im Gemüsegarten, oder bei der Handarbeit. Hier stellten wir Spielzeuge her, oder ernteten frisches Gemüse für die Educares. Außerdem gab es noch den Sprachkurs in isiXhosa, eine Sprache von der Ostküste, die in den kapstädter Townships aber mehrheitlich gesprochen wird.


Bei so viel Beschäftigung kommt anfangs kaum zum Durchatmen, denn der Einstieg ist alles andere als leicht. Ich werde nie vergessen, wie ich zum ersten Mal in meinem Kindergarten (100 Kinder) stand und alle Kinder auf mich zugerannt sind. In diesem Educare hatte ich Vorgänger von der erst kurz zuvor abgereisten Generation – und die waren offenbar so beliebt, dass in mich große Hoffnung gesetzt wurde. Die Erzieherinnen waren nett zu mir, aber ich war in den ersten Tagen wirklich mehr als überfordert. Ich hatte noch nie zuvor etwas Vergleichbares gemacht und sollte nun eine Vorschulgruppe unterhalten – die kein Englisch verstand.

Das ist dieser Wurf ins kalte Wasser, von dem ich eingangs mal erzählt hatte. Nun musste ich schwimmen lernen und es wurde tatsächlich von Tag zu Tag besser, schon allein, weil ich die Tagesabläufe kannte und meine ersten paar Befehle bellen konnte: Thulani! (seid still), Hlalani phantsi! (setzt euch hin), Yeka! (hör auf) und so weiter. 
Heute kann ich mich auf isiXhosa sogar halbwegs verständigen und das ist für mich etwas sehr besonderes. Aber damals konnte ich es nicht und jeder Tag gehörte zu meinem Lernprozess. 

Abseits der Arbeit fand ich einen Tischtennisclub, wo ich meinem liebsten Hobby nachgehen konnte, und damit auch meine ersten sozialen Kontakte – das ging wirklich ganz von alleine. Natürlich wurden die Wochenenden auch immer darauf verwendet, die Gegend zu erkunden und Tatsache: nach einem Jahr war ich immer noch nicht fertig damit! Je nachdem wie genau man sucht, desto mehr gibt es eben zu entdecken! AUCH NOCH hinzu kommt „Sabantwana“: das war / ist ein Spendenprojekt von uns Freiwilligen selbst organisiert. Geld, das wir über diesen Topf gesammelt haben, konnte für Reperaturen, Anschaffungen oder auch Ausflüge in den Educares verwendet werden. Ich habe mich in diesem 8-köpfigen Team engagiert und war dafür zuständig, dass alle Projekte dokumentiert und auf der Homepage veröffentlicht wurden, damit unsere Spender auch die Ergebnisse ihrer Wohltat sehen konnten.

Zu meiner Arbeit und den anderen Beschäftigungen gibt es natürlich unglaublich viel zu erzählen. Ich habe den Kindergarten nach einiger Zeit auch mal wechseln müssen, was nicht leicht war. Aber das alles würde hier komplett den Rahmen sprengen. Wen es interessiert, der kann sich ja meinen Blog dazu ansehen: www.lukasweltwaerts.blogspot.de

Fortsetzung folgt...

Sonntag, 6. September 2015

weltwärts Südafrika Teil III - Abschied & Anfang

Lukas hat einen geförderten Freiwilligendienst über weltwärts in Südafrika gemacht und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Fortsetzung von Teil II...

Bis es losgehen konnte, lag eine Menge nerviger Bürokratie vor mir. Unter anderem habe ich 1.900€ Spenden für meine Solidargemeinschaft gesammelt. Dieser Förderkreis bestand aus Menschen und Unternehmen, die sich für meinen Freiwilligendienst interessierten, Postkarten kriegen wollten, mich unterstützen wollten. Es ist bei weltwärts Pflicht, sich vor seinem Dienst in irgendeiner Form einzubringen (um sich das Ganze zu „verdienen“). In meinem Fall habe ich eben diese Spenden für die „Freunde“ gesammelt und mir gleichzeitig einen Kreis für Rundmails, etc. aufgebaut.
Eine weitere Mühseligkeit war die Beantragung meines Visums bei der südafrikanischen Botschaft, die sich sehr lange hinzog.

Letztendlich besuchte ich auch noch das verpflichtende Vorbereitungsseminar, das sicherlich zu den Highlights eines jeden Freiwilligendienstes gehört. In diesen zwei Wochen habe ich sehr viel in mich selbst hineinhorchen dürfen, mich mit allen möglichen Fragen auseinandergesetzt, mich auch oft gefragt, ob es nicht doch das Falsche für mich ist. Am Ende ging ich aber sehr selbstreflektiert aus diesem Seminar, hatte zum Teil meine zukünftigen Mitfreiwilligen kennengelernt und war sowas von bereit, endlich abzuhauen.

Schon kurz vor dem Abflug stand ich gewissermaßen über allen Dingen, bin von einigen auch dafür bewundert worden. Die einen klopfen einem auf die Schulter, die anderen klingen besorgt, die nächsten können sich nichts darunter vorstellen. Aber es ist eine andere Wahrnehmung, wenn man ständig das Wörtchen „Abschied“ vor Augen hat, auch die Angst und die Ungewissheit. Es kam mir vor, als wäre da ein Ende. Ich tat so vieles „zum letzten Mal“, hatte ich den Eindruck, und es war dann wirklich so: es waren die letzten Male in meinem alten Leben.


Alleine am Gate zu sitzen, seine letzten Grüße auf Facebook zu posten, den letzten Kontakt mit deutschem Boden zu spüren, das war überwältigend! Der Hinflug mit Umsteigen in Istanbul verging rasend schnell. Da waren immer noch all die Gedanken an die, die man bestimmt bald sehr vermissen würde, und die ungebändigte Vorfreude auf der anderen Seite.

In Cape Town aus dem Flieger zu steigen sagte mir so etwas wie: „So. Und das ist es jetzt. Hier bist du jetzt und hier kommst du erst mal auch nicht mehr weg. Du bist 8000 Kilometer von allem weg, was du bisher gekannt hast. Viel Glück, Captain.“ – einfach toll! Von der ersten Sekunde an wusste ich, dass hier ein neuer Lebensabschnitt anfangen würde. Im Auto zu sitzen, auf der linken Straßenseite zu fahren und erstmals die neue WG (6 wunderbare Menschen, 3 Zimmer) kennenzulernen war ziemlich viel auf einmal. Ich wollte mich mit so vielem sofort auskennen, wollte mich zurechtfinden, aber keiner konnte mir da helfen. Es stimmte: das war es jetzt, ab hier musste ich selbst klarkommen.

Fortsetzung folgt...

Samstag, 5. September 2015

weltwärts Südafrika Teil II - Ich will weltwärts gehen! Wie(so)?

Lukas hat einen geförderten Freiwilligendienst über weltwärts in Südafrika gemacht und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Fortsetzung von Teil I...

Mein Freiwilligendienst stand unter dem Stern von „weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Weltwärts ist für die Freiwilligen völlig kostenlos und wird aus Mitteln des BMZ und der Entsendeorganisation finanziert. Entsendeorganisationen sind meistens gemeinnützige Vereine, die das Programm des BMZ quasi umsetzen. Das Ministerium macht die Regeln, die Organisationen halten sich daran und die Freiwilligen werden dementsprechend gefördert.

Am Anfang stand bei mir der Beschluss fest, dass ich nach meinem Abitur gerne etwas anderes machen würde, als gleich studieren zu gehen. Außerdem wollte ich so weit wie möglich weg von Deutschland – einfach aus Abenteuerlust.



Ich habe also ausführlich recherchiert und bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Freiwilligendienst am Besten zu mir passt und ich während meines Auslandsjahrs nicht nur mich selbst und meinen Fotospeicher, sondern auch das Gastland in gemeinnützigen Projekten durch meine Anwesenheit bereichern will. Ich muss dazu sagen, dass ich zuvor nie irgendetwas in der Richtung getan habe. Ich wollte einfach nicht „nur reisen“, sondern wirklich was erleben: einen fremden Ort zu meiner neuen Heimat machen. Das sollte am Besten auch nicht in den typischen Auslandsjahr-Knotenpunkten wie USA, Australien, Neuseeland oder Kanada stattfinden – sondern wirklich in einer anderen Welt, nämlich der sogenannten dritten Welt.

So kam ich zum entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts, der auf seiner Homepage (www.weltwärts.de) eine Datenbank mit unzähligen Stellen anbietet, die man mit einem Filter nach seinen Vorstellungen durchsuchen kann. Ich habe mich bei etlichen Organisationen beworben, an Telefoncastings teilgenommen, ständig Post verschickt, Unterlagen gesucht, geschrieben, geschrieben, geschrieben – es ist wichtig, dass man wirklich alles versucht!
Letztendlich bin ich zu einem Orientierungsseminar eingeladen worden. „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.“ hieß der Trägerverein meines Herzens. Rudolf Steiner, ja das ist der, der die Entstehung der Waldorf-Schulen mit zu verantworten hat. Ich bin kein Waldorf-Schüler und habe noch nie zuvor etwas mit dem Thema zu tun gehabt – aber ich wollte einen Freiwilligendienst machen. Und wie sich herausstellte, bin ich da bei einer sehr sehr guten Stelle gelandet. Die „Freunde“ sind mit Freiwilligendiensten schon sehr lange im Geschäft und kennen sich super aus. Der Verein ist sehr groß und deutschlandweit vernetzt. Und es macht überhaupt nichts aus, wenn man als Nicht-Waldi dort auftaucht, im Gegenteil. Schlussendlich ist es eine Entsendeorganisation wie jede andere auch, aber mit einem sehr herzlichen und sehr fürsorglichen Charakter.

Es war bereits Februar, ich war also in einer der letzten Gruppen gelandet, die sich überhaupt noch bewerben konnten. Das Orientierungsseminar hat mich total geflasht. So viele andere zu treffen, die den gleichen Traum vom Auslandsjahr, die gleichen Visionen, aber auch Ängste hatten, all die Gedanken auszusprechen, das hat unglaublich gut getan. Spätestens da war ich mir absolut sicher, das richtige vorzuhaben.

Bei den „Freunden“ wird so gut wie jeder genommen, die Bewerbungsverfahren überlässt man hier den Projekten in den Gastländern. Ich bewarb mich auf vier Stellen: in Thailand, Indien, Südafrika und Namibia. Mitte März war es dann so weit: ich hatte die Zusage aus Kapstadt / Südafrika. Ich würde im kommenden September in den Flieger steigen und ein Jahr am Kap der guten Hoffnung verbringen. Ich würde ein Jahr weg sein und etwas erleben! Als mir das klar wurde, konnte ich die ganze Welt umarmen.

Fortsetzung folgt...

Freitag, 4. September 2015

weltwärts Südafrika Teil I - Was BEDEUTET "Freiwilligendienst"?

Lukas hat einen geförderten Freiwilligendienst über weltwärts in Südafrika gemacht und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Hallo liebes tip und alle Interessierten, die etwas über meinen Freiwilligendienst in Südafrika erfahren wollen!
Ich gebe mir die beste Mühe, um euch so gut wie möglich ein Bild davon zu vermitteln, wie mein Freiwilligendienst-Jahr abgelaufen ist und was es mir bedeutet. Mit Bedeutung möchte ich auch gleich mal loslegen, denn es ist – gerade für diejenigen unter euch, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, etwas Ähnliches zu machen – wichtig zu wissen, was das Ganze überhaupt für einen selbst heißt und wo auf persönlicher Ebene die wirklichen Unterschiede zu allen Work&Travel-Späßen liegen.

Was BEDEUTET „Freiwilligendienst“?


Ganz zu Anfang möchte ich sagen, dass Freiwilligendienste allgemein etwas sehr besonderes sind und für jeden Freiwilligen einen ungeheuer persönlichen Charakter haben. Wenn jemand also sagt, er oder sie habe einen Freiwilligendienst geleistet, dann kann man eigentlich gar nicht sofort wissen, was damit gemeint ist.
Ein Freiwilligendienst ist, im Gegensatz zu Work&Travel und anderen Auslandsjahr-Möglichkeiten, nicht nur eine Reise ins Ausland. Es ist, das haben viele Vergleiche ergeben, vor allem eine Reise in ein anderes Ich.

So kitschig das vielleicht klingt und so oft, wie man das bei Bewerbungsprozessen gerne unter „Warum möchte ich einen FWD leisten“ verwendet: es ist keinesfalls nur ein Nebeneffekt!

Für mich persönlich hat mein Freiwilligendienst eine andere Person aus mir gemacht. Und es ist unglaublich schwer in Worte zu fassen, wie sich das mitten in diesem Prozess anfühlt. Es ist eine Zeit mit vielen Höhen, aber auch vielen Tiefen, mit guten und schlechten Bildern, die man nie vergessen kann, mit Freudentränen und schierer Verzweiflung. Aber gerade das macht den Freiwilligendienst so besonders, so TOLL!
Am Anfang stand die Überwindung, überhaupt ein Jahr weg von Zuhause zu sein – und am Ende hat man mehr als nur diese „kleine“ Hürde genommen, um zu sein, wer man letztendlich ist. Das soll alles überhaupt nicht abschreckend klingen, denn es ist völlig normal, dass man in Schwierigkeiten kommt. Die Entsendeorganisationen führen teils sogar Statistiken, nach denen das in etwa in Monat 3 zum ersten Mal vorkommt.

Ich möchte damit vor allem eins klarstellen: ein Freiwilligendienst ist kein Urlaub und auch nicht immer total schön.  (Man bezahlt auch nicht dafür! Ferienarbeit, für die man auch noch bezahlen muss, ist überhaupt nicht vergleichbar.) Gerade das macht es aber so unglaublich wertvoll und viel einzigartiger, als es Work&Travel-Trips überhaupt sein können. Es geht darum, sich viel aufzubauen, sich – gerade auch in Entwicklungsländern – auf wirklich neue Situationen einzulassen und ständig daraus zu lernen.
Und natürlich soll das Ganze auch Spaß machen!

Fortsetzung folgt...

Donnerstag, 3. September 2015

weltwärts - der entwicklungspolitische Freiwilligendienst

Diesen Monat werdet ihr noch von einigen verschiedenen Programmen erfahren, über die man einen Freiwilligendienst im Ausland machen kann. Heute starten wir mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst "weltwärts".

Geförderte und nicht geförderte Freiwilligendienste im Ausland
weltwärts
Dauer: 6 - 24 Monate (i.d.R. 12 Monate)
Alter: 18 - 28 Jahre
Länder: Entwicklungsländer (Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa)
Leistungen: Taschengeld, Versicherung, Fortzahlung Kindergeld, Unterkunft, Verpflegung, (Auslands-)Reisekosten, Vorbereitungsseminare
Eigenleistung: meist Aufbau eines Förder- oder Spendenkreises
Mehr Informationen: www.weltwärts.de (inkl. Projektdatenbank und Erfahrungsberichten)

Mehr Informationen zum EFD und den anderen geförderten Programmen findet ihr auf unserer Homepage!

Student/innen der Universität Augsburg hatten im Rahmen des Service Learning ein Video für uns gemacht. Sie haben Debbie interviewt, die über weltwärts in Costa Rica war. 

Die Musik stammt von der Seite http://audionautix.com/ und steht unter der Lizenz CC BY 3.0.

Mittwoch, 2. September 2015

TIME TO MOVE - Postkartenwettbewerb

Eurodesk, das europäische Netzwerk zur Mobilitätsberatung von Jugendlichen, (wir sind übrigens Eurodesk Augsburg) hat einen europäischen Postkartenwettbewerb gestartet!

Zu gewinnen gibt es 2 InterRail Global Tickets, mit denen man 22 Tage lang ununterbrochen in Europa Zug fahren kann. Die sind super für einen Backpacking-Trip durch Europa!
Mehr Infos zum InterRail Ticket


Wie könnt ihr mitmachen?

  • Ihr müsst zwischen 13 und 30 Jahre alt sein und aus Deutschland oder einem der Eurodesk-Länder kommen.
  • Ihr müsst eine Postkarte gestalten, die euer Land, eure Region oder eure Stadt anderen zeigt. Das kann als Collage, Zeichnung, Graphic Design, Fotografie oder Ähnliches sein.
  • Ihr müsst eure Postkarte bis zum 04.10. 12 Uhr eingereicht haben, entweder über Facebook oder Time to Move

Wer bestimmt die Gewinner?

Auch da könnt ihr euch beteiligen, die Online Community liked ihre Lieblingspostkarten und aus den 20 beliebtesten wählt die Eurodesk Jury dann die 2 schönsten aus.
Die ersten Postkarten stehen schon zum liken bereit.

Der Wettbewerb wird von Eurodesk organisiert und von InterRail gesponsert. Er ist Teil der Time to Move Woche, in der junge Menschen in ganz Europa über Auslandsaufenthalte und ihre Chancen weltweit informiert werden. Die Time to Move Woche findet vom 21. September bis zum 4. Oktober 2015 statt. Mehr Informationen zu dieser Eurodesk-Kampagne und eine Landkarte mit allen Veranstaltungen und Aktionen gibt es ebenfalls unter www.timetomove.info.

Dienstag, 1. September 2015

Hauptthema im September - Freiwilligendienste im In- und Ausland

Wir sind wieder aus unserer Sommerpause zurück und da ein neuer Monat beginnt, haben wir auch wieder ein neues Thema für unseren Blog.

Im September werdet ihr alles zu Freiwilligendiensten im In- und Ausland erfahren. Zu den einzelnen Möglichkeiten, Voraussetzungen, Leistungen und Anmeldefristen.


Und wir werden neue Erfahrungsberichte von jungen Leuten posten, die bereits einen Freiwilligendienst gemacht haben.

Wenn ihr die Infos und Erfahrungsberichte nicht verpassen wollt, dann abonniert doch einfach unseren Blog per Mail. Rechts bei "Folge dem Blog per Email" deine Mailadresse eingeben und auf "Submit" drücken. Du bekommst eine Mail in der du noch bestätigen musst, dass du den Blog auch wirklich abonnieren willst.

Unser Büchertisch ist schon umdekoriert und steht euch auch außerhalb unserer Öffnungszeiten in der Neuen Stadtbücherei, direkt neben dem tip, zur Verfügung.


Vom 11. bis 20.09. findet die Woche des bürgerschaftlichen Engagements statt und da bietet es sich an, dass wir am 19.09. einen Infostand zu Freiwilligendiensten machen. Das ist ein Samstag und ihr findet uns von 10 bis 15 Uhr im Erdgeschoss der Neuen Stadtbücherei, Ernst-Reuter-Platz 1. Es werden junge Leute mit Erfahrungsbericht dabei sein und ihr könnt an unserem Zuordnungsspiel teilnehmen und kleine Preise gewinnen!